Für Bezugspersonen, Lehrkräfte, Erzieherinnen, Erzieher, Trainerinnen, Trainer, Begleitpersonen

Wenn Kinder den Verlust eines nahestehenden Mensch erleben müssen, sind es neben den Eltern vor allem Lehrkräfte, Trainer und Betreuer, die den Kindern helfen können, mit dem Verlust leben zu lernen. Nachfolgend deshalb einige Hinweise hierzu:


Tipps für Lehrkräfte und Trainer über den Umgang mit trauernden Kindern

Ein Kind aus Ihrer Klasse/Gruppe hat vor kurzem ein Elternteil bzw. eine nahestehende Person durch eine schwere Krankheit bzw. einen Unfall verloren. Der plötzliche und unerwartete Tod ist ein schwerer Schicksalsschlag für die ganze Familie – und natürlich auch für das betroffene Kind aus Ihrer Klasse/Gruppe. Jetzt kommt der erste Tag, an dem das betroffene Kind wieder in die Schule (ins Training) kommt.

Grundsätzliches

Es fällt vielen schwer, mit trauernden Menschen umzugehen. Man weiß oft nicht, was man sagen soll und hat auch Angst, etwas Falsches zu sagen. Mit trauernden Kindern umzugehen, finden viele noch viel schwieriger, denn man hat selbst meist keine Erfahrung, wie Kinder mit solchen Verlusten zurechtkommen. Wichtig zu wissen ist: Kinder trauern anders als Erwachsene! Sie reden weniger, weinen meist weniger, aber trauern genauso!

Vor der ersten Unterrichtsstunde

Gerade im Hinblick auf die erste Stunde, an der das betroffene Kind wieder teilnimmt, bestehen einige Unsicherheiten. „Soll ich das Kind darauf ansprechen?“, „Was mache ich, wenn das Kind plötzlich weint?“, „Was mache ich, wenn die anderen Kinder über den Todesfall sprechen wollen?“, sind die am häufigsten gestellten Fragen. Folgendes können Sie tun:

  • Melden Sie sich zuvor bei der Familie des Kindes, sofern die Familie nicht schon Kontakt aufgenommen hat. Das erfordert Mut - aber Sie werden sehen, dass Ihr Anruf oder Ihr Besuch nicht als störend, sondern als hilfreich und einfühlsam aufgenommen wird.

  • Sprechen Sie, sofern möglich, auch selbst mit dem Kind und sagen sie ihm, dass Sie sich selbst und auch die anderen Kinder freuen, dass er (sie) jetzt wieder in die Schule kommt.

  • Sprechen Sie sich mit den anderen Lehrkräften/Betreuern ab, damit alle die gleichen Informationen haben.

  • Sofern es zuvor eine Stunde mit den anderen Kindern gibt, sprechen Sie ganz offen mit diesen Kindern über den Todesfall, das betroffene Kind und darüber, wie es diesem Kind wohl gehen könnte.

In der ersten Unterrichtsstunde / am ersten Unterrichtstag

Behandeln Sie das Kind so normal wie möglich. Auch das betroffene Kind ist unsicher und hat auch meist ein wenig Angst vor den Reaktionen der anderen. Nehmen Sie das Kind zu Beginn kurz beiseite, sagen Sie ihm, dass Sie von dem Todesfall gehört haben bzw. davon wissen. Sagen Sie mit wenigen und kindgerechten Worten, dass auch Sie sehr traurig über das sind, was geschehen ist, und dass Sie sich gut vorstellen können, dass es für das Kind nicht leicht ist – auch gerade jetzt in der ersten Stunde. Fragen Sie dann das Kind, ob es möchte, dass Sie in der Klasse/Gruppe über das Ereignis sprechen (viele Kinder möchten das jedoch nicht!). Akzeptieren Sie den Wunsch des Kindes und sichern ihm zu, dass es jederzeit zum Reden kommen kann, wenn es möchte. Gehen Sie dann gemeinsam mit dem Kind in die Klasse/ Gruppe und teilen ggf. ganz normal mit, dass Sie sich freuen, dass das Kind heute wieder da ist. Mehr braucht es zu diesem Zeitpunkt meist nicht.

Wovor betroffene Kinder Angst haben / was sie zusätzlich belastet

Häufig besteht Angst vor den Reaktionen der anderen. Viele fürchten sich davor, dauernd nach dem Todesfall gefragt zu werden. Überzogenes Mitleid von anderen kann sehr belastend sein – ebenso wie absolute Ignoranz. In vielen Fällen haben Mitschüler nur Teilinformationen über den Todesfall, so dass ganz eigene „Versionen“ des Vorfalles kursieren können. Deshalb ist kindgerechte und adäquate Information so wichtig. Hier können Sie sich auch mit dem betroffenen Kind absprechen, ob es selbst etwas erzählen möchte bzw. was Sie selbst in der Klasse/Gruppe erzählen dürfen.

Veränderte Verhaltensweisen

Es kann sein, dass das betroffene Kind in der Anfangszeit unkonzentrierter, empfindlicher, un- ruhiger oder auch etwas aggressiver reagiert. Auch der plötzliche Wechsel von Ausgelassenheit zu heftigen Trauerreaktionen ist nicht ungewöhnlich. Bei sehr unangebrachtem Verhalten sprechen Sie das Kind möglichst persönlich darauf an, anstatt es vor allen zu kritisieren. Be- denken Sie, dass Kinder ihre Trauer auf ganz eigene Weise ausdrücken.

Allgemeine Tipps

  • Vermeiden Sie Formulierungen wie „Ich weiß wie Du Dich fühlst“ oder „Kopf hoch, das Leben geht weiter“.

  • Behandeln Sie das Kind nicht, als ob es krank wäre oder plötzlich wieder ein Kleinkind wäre.

  • Akzeptieren Sie, dass das Kind manchmal leichter gereizt und frustriert sein kann. Zeigen Sie dafür Verständnis. Erklären Sie den anderen Kindern, dass es einem nach so einem Ereignis oft auch mal schlecht gehen kann, und man deshalb nicht immer so gelassen und freundlich bleiben kann. Vermitteln Sie bei Streitigkeiten.

  • Schützen Sie (sofern möglich) das Kind vor zu intensiver Bemitleidung oder Befragung durch andere. Vereinbaren Sie mit den anderen Kindern, dass auch diese das betroffene Kind ganz normal behandeln sollen.

  • Wenn das betroffene Kind plötzlich weint, absolut aggressiv wird oder wie versteinert an einer Stelle bleibt (zum Beispiel im Pausenhof), gehen Sie zu ihm und nehmen die Reaktionen einfach erst einmal so hin. Fragen Sie dann das Kind, ob es okay ist, dass Sie bei ihm bleiben. Ein Taschentuch, das man weitergibt oder die Hand auf der Schulter des Kindes (wenn es das akzeptiert) ist viel mehr wert als irgendwelche dahingesagten Worte. Wenn sich das Kind dann etwas beruhigt hat, fragen Sie nach, ob es wieder mitmachen möchte oder eine kleine Pause braucht. Falls das Kind unbedingt nach Hause möchte und eine weitere Teilnahme am Unterricht nicht möglich ist, sorgen Sie auf jeden Fall dafür, dass das Kind begleitet oder abgeholt wird!

  • Seien Sie nicht überrascht, wenn das Kind „so wie immer ist“. Trauernde Kinder brauchen Alltag und Distanz!

  • Loben Sie das Kind etwas mehr als sonst (aber nicht zu auffällig).

Bewegung ist Verarbeitung

Spiel, Spaß, Bewegung und Sport sind ideale Möglichkeiten für Kinder, Belastungen abzubauen. Also helfen Sie dem Kind, wenn Sie dies ermöglichen. Sofern machbar, sollten jedoch zu großer Leistungsdruck sowie häufige Misserfolge zumindest zu Beginn vermieden werden.


Wenn ein Mitschüler verstorben ist

Der Tod eines Mitschülers ist für alle Betroffenen, ob nun Lehrkräfte, Schüler oder Freunde ein großer Schock, vor allem dann, wenn es plötzlich und unerwartet geschieht. Die Schule hat in solchen Situationen eine sehr bedeutende Rolle, weshalb folgende Anregungen überdacht werden sollten:

  • Die Information über den Tod eines Mitschülers sollte so schnell wie möglich erfolgen. Häufig wissen schon einige von dem Ereignis - und im Zeitalter von E-Mail, WhatsApp und Instagram und Co. machen solche Nachrichten sehr schnell die Runde.

  • Bei der Information der Mitschüler wäre es gut, wenn eine weitere Lehrkraft mit dabei wäre, zum Beispiel Klassenlehrer oder Vertrauenslehrerin. Mittrauern ist kein (!) Zeichen von Schwäche, sondern verbindet.

  • Verfassen Sie eine Kurzinformation für die Eltern der betroffenen Klasse bzw. veranlassen Sie dies über das Sekretariat oder die Schulleitung. Hierin sollte das Ereignis kurz benannt werden sowie beschrieben werden, falls es Änderungen beim Schulablauf in den nächsten Tagen gibt (z. B. für eine gemeinsame Trauerfeier). Eine umfassende und zügige Information der Eltern bringt erfahrungsgemäß viel Unterstützung und Verständnis.

  • Nehmen Sie sich Zeit für die Klasse, nachdem Sie über den Tod des Mitschülers gesprochen haben. Verändern Sie zum Beispiel die Sitzordnung und gestalten Sie einen Stuhlkreis, in dessen Mitte eine Kerze aufgestellt werden kann (und bzw. oder auch Gegenstände, die vom Mitschüler stammen bzw. an ihn erinnern). Machen Sie deutlich, dass jetzt momentan kein normaler Unterricht stattfindet.

  • Die Schüler sollten ihre Gefühle und Meinungen frei äußern dürfen. Vereinbaren Sie deshalb, dass diese im Klassenraum verbleiben, dass die Schüler hier einen geschützten Raum dafür haben. Hilfreich kann sein, dass die geäußerten Gedanken so einer Art selbst auferlegten Schweigepflicht unterliegen, da eine solche Vereinbarung Vertrauen und Sicherheit schafft.

  • Adäquate Informationen sind wichtig. Umschreiben Sie nicht, was geschehen ist, sondern nennen Sie klare, kindgerechte und verständliche Fakten, was den Todesfall betrifft. Hierdurch können Gerüchte und Fehlinformationen (aus denen dann Fehlinterpretationen werden können) vermieden werden. Selbstverständlich muss hierbei die Privatsphäre des Verstorbenen und seiner Familie berücksichtigt werden.

  • Wer schweigen will, darf schweigen. Wer nicht offen trauern kann oder will, der darf es tun. Erklären Sie dies, denn es ist wichtig.

  • Sofern Sie bereits wissen, wie der weitere Ablauf sein wird (Trauerfeier in der Schule, Beerdigung etc.), dann teilen Sie dies den Schülern mit.

  • Nach dieser ersten Phase kann eine Pause gut tun. Geben Sie den Schülern die Möglichkeit, sich zu bewegen, zu essen oder zu trinken.

  • Anschließend können Sie mit den Schülern darüber sprechen, was jeder einzelne tun kann, um mit dem Erlebnis umgehen zu können (Stressbewältigungs-Strategien). Ebenso, was jeder einzelne oder auch die ganze Gruppe tun kann, um sich an der Trauerfeier zu beteiligen.

  • Sprechen Sie mit den Kindern über Trauerrituale. Hierzu gehören zum Beispiel der zuvor genannte Stuhlkreis mit Kerze in der Mitte, eine Andacht und Gedenkminuten. Auch Briefe an den Verstorbenen (“was ich Dir noch sagen wollte”), Bilder oder Gebasteltes, welche ggf. auch zum Grab mitgebracht werden können. Ebenso kann ein bestimmter Ort in der Schule, an dem ein Foto des Verstorbenen aufgestellt wird, sehr hilfreich sein. Dort können dann Bilder, Briefe oder anderes gesammelt werden.

  • Es ist eine Form der Wertschätzung dem Verstorbenen gegenüber, wenn nicht sofort alle seine Sachen aus dem Klassenzimmer entfernt werden. Sprechen Sie mit den Mitschüler darüber. Vereinbaren Sie gemeinsam, wie lange es zum Beispiel einen ‘Erinnerungsecke’ oder etwas Ähnliches geben sollte.

  • Wenn ein Schüler stirbt, dann entstehen bei den Mitschülern oft Ängste, dass dies auch mit einem selbst oder weiteren Klassenkameraden passieren könnte. Nehmen Sie diese Ängste ernst und geben Sie den Schülern Möglichkeiten, dies auszudrücken. Eine sehr bewährte Form ist das Malen.

  • Sprechen Sie offen über das Thema Schuld. Häufig glauben Mitschüler, Schuld an dem Ereignis zu sein bzw. eine Teilschuld zu haben. Ausgetragene und zu Lebzeiten nicht mehr geklärte Konflikte mit dem Verstorbenen können sehr belastend sein. Erklären Sie auch den Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Schuld. Hierbei kann es hilfreich sein, darauf hinzuweisen, dass eine objektive Schuld nur im Zusammenhang mit beabsichtigten oder bewusst gewollten Ereignissen steht.

  • Sofern notwendig, planen Sie einen Elternabend, an dem über das Ereignis gesprochen wird. Holen Sie sich Fachleute (z. B. von der Krisenintervention), die über typische Reaktionen bei Kindern und Jugendlichen nach einem solchen Ereignis berichten können.



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